Neben körperlichen Erkrankungen können auch seelische Erkrankungen (wie z.B. Depressionen, PTBS etc.) im Einzelfall eine Schwerbehinderung begründen.

 

Die Anerkennung als schwerbehinderter Mensch kann nur auf Antrag erfolgen.

 

Für das Feststellungsverfahren nach dem Schwerbehindertenrecht ist das Versorgungsamt am aktuellen Wohnsitz zuständig.

Antragsvordrucke findet man im Internet oder vor Ort bei den Versorgungsämtern.

http://www.versorgungsaemter.de/Antraege_index.htm

 

Ab 15. Jahren kann ein solcher Antrag eigenständig, d.h. ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters gestellt werden.

 

Voraussetzung für die Anerkennung als Schwerbehinderter ist eine dauerhafte Behinderung / Beeinträchtigung. 

Eine akute Erkrankung führt nicht gleich zu einer dauerhaften Behinderung. 
Von einem Dauerzustand kann erst ausgegangen werden, wenn nach Ablauf des gesetzlich festgeschriebenen Zeitraums von sechs Monaten nach Eintritt der Erkrankung noch immer gesundheitliche Einschränkungen vorhanden sind.

 

 

Ab wann ist eine Person Behindert?

Ein Mensch gilt als behindert, wenn sich die körperlichen oder geistigen Fähigkeiten auf Dauer von gleichaltrigen gesunden Menschen erheblich unterscheiden.Damit steht fest, dass eine Behinderung  eine dauerhafte und gravierende Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilnahme eines Menschen bezeichnet. Aber auch die seelische Gesundheit muss dabei beachtet werden.Die Zahl der Menschen, die an seelischen Erkrankungen oder Behinderungen leiden, wächst stetig. 

 

Die WHO definiert den Begriff „Behinderung folgender maßen: „ein gestörter Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“ 

  • Gesundheitsschaden mit persönlichen Folgen, wie Einschränkung der Unabhängigkeit, Beweglichkeit, Freizeitaktivitäten, der sozialen Integration, wirtschaftlichen und beruflichen Möglichkeiten, sowie mit familiären Folgen wie Pflegebedarf
  • Funktionelle Einschränkungen
  • Wirtschaftliche bzw. finanzielle Belastungen
  • Gestörte soziale Beziehungen mit gesellschaftlichen Folgen wie Fürsorgebedürftigkeit, soziale Isolierung etc.

Das Sozialgesetzbuch definiert den Begriff „Behinderung“ folgender maßen:

  • Nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) aus dem Schwerbehindertenrecht sind Menschen behindert, deren körperliche Funktionen, geistige Fähigkeiten oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen kann und dadurch eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben eindeutig beeinträchtigt ist.
  • Menschen sind schwerbehindert wenn mindestens ein Grad der Behinderung von 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz in Deutschland haben.
  • Schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden sollen behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50 aber wenigstens 30, bei denen die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 2 vorliegen, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 73 nicht erlangen oder nicht behalten können.

 

 

Ermittlung des Grad der Behinderung (GDB)

Um den Schwerbehindertenausweis zu bekommen, muss der Grad der Behinderung mindestens 50 betragen, Dieser Wert kann sich aus mehreren Beeinträchtigungen zusammensetzen.

Die einzelnen Störungen müssen dabei mindestens einen Grad der Behinderung von 10 haben. Dabei werden verschiedene Behinderungen aber nicht einfach zusammen addiert. Viel eher werden die bestehenden Beeinträchtigungen der einzelnen Behinderungen gegeneinander und untereinander abgewogen, um einen sinnvollen Gesamt – Grad der Behinderung zu ermitteln.

 

Regelmäßig wird das jeweils zuständige Versorgungsamt ein ärztliches Gutachten über den Schweregrad der Behinderung erstellen lassen. Das Gutachten dient als wichtige Entscheidungshilfe für den Antrag. 

 

 

Ab wann ist ein Mensch Schwerbehindert?

Aus dem § 2 Abs. 2 SGB IX ergibt sich welche Person als schwerbehindert eingestuft wird. Laut dem § 2 Abs. 2 SGB IX ist eine Person schwerbehindert, wenn mindestens ein Grad der Behinderung von 50 vorliegt und / oder in Deutschland arbeiten, ihren Wohnsitz in Deutschland haben.

Erst ab einem GdB von 50 kann ein Schwerbehindertenausweis ausgestellt werden. Auch der besondere Kündigungsschutz gilt nur für Schwerbehinderte.

Ab einem GdB von 30 kann jedoch bei der zuständigen Arbeitsagentur ein Gleichstellungsantrag gestellt werden.

 

 

Welcher GdB bei welcher Erkrankung?

Welcher GdB im konkreten Fall angenommen oder angemessen ist, kann nicht verallgemeinert werden.

 

Insgesamt lässt sich aber wohl sagen, dass bei chronischen psychischen Erkrankungen ein GdB zwischen 30 und 70 möglich ist. Das richtet sich nach schwere der Erkrankung und vor allem mit den damit zusammenhängenden Einschränkungen in der Lebensführung.

 

Es empfiehlt sich daher im Antrag möglichst detailliert darzustellen, in welchen Bereichen überall Beeinträchtigungen vorhanden sind. Alleine die Diagnose "PTBS" wird keinen GdB begründen. 

 

Rechtsmittel

Häufig kommt es vor, dass der Antrag entweder ganz abgelehnt wird, oder aber eine GdB festgestellt wurde, den man selbst für zu niedrig erachtet.

 

In diesen Fällen kann und muss gegen den Feststellungsbescheid des Versorgungsamt innerhalb eines Monats nach Zustellung desselben Widerspruch eingelegt werden.

Wird dem Widerspruch nicht abgeholfen, kann gegen den Widerspruchsbescheid Klage beim Sozialgericht erhoben werden.