Fonds "sexueller missbrauch im familiären Bereich"



Zur Unterstützung von Betroffenen bei der Linderung der Folgen sexuellen Missbrauchs hat die Bundesregierung am 1. Mai 2013 den Fonds "Sexueller Missbrauch im familiären Bereich" als ersten Teil des sogenannten "Ergänzenden Hilfesystems" aufgelegt. Ursprünglich konnten Betroffene Sachleistungen bis zum 30. April 2016 beantragen. Die Antragsfrist wurde nun verlängert. Ein Datum bis wann Anträge gestellt werden können besteht derzeit nicht. 

 

Der Bund hat mit dem Bundeshaushaltsentwurf für 2020 beschlossen, dass die Finanzierung des Fonds „Sexueller Missbrauch im familiären Bereich“ – vorbehaltlich der Zustimmung durch das Parlament – fortgesetzt wird. Die bisherige Auszahlungsfrist ist damit aufgehoben.


Die Auszahlung der Fondsmittel ist innerhalb der Fondslaufzeit möglich.
Für Anträge, die bis zum 02.05.2016 gestellt wurden, gilt, dass die Auszahlung der bewilligten Leistungen über den 01.12.2019 hinaus möglich ist.

 

 

An wen richtet sich der Fonds?

Der Fonds will Menschen unterstützen, die in ihrer Kindheit oder Jugend in der Familie oder im familiären Umfeld sexuelle missbraucht wurden und noch heute unter den Folgewirkungen leiden. Der Fonds richtet sich an Betroffene, die keine oder nicht ausreichende Leistungen der bestehenden Hilfesysteme wie der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung, der gesetzlichen und privaten Unfallversicherung oder Leistungen nach dem OEG erhalten.

 

Der Fond soll die Lücken der bestehenden Hilfesysteme - Krankenkassen und OEG - schließen, jedoch nicht ersetzen.

 

 

Welche Leistungen können beantragt werden?

Der Fonds bietet verschiedene Möglichkeiten, die Leistungen des gesetzlichen und sozialrechtlichen Systems zu ergänzen. Für diese sogenannten "Sachleistungen" stehen pro Person maximal 10.000 EUR zur Verfügung. Bis zu dieser Höchstgrenze können folgende Hilfen auch nebeneinander, gewährt werden:

  • Psychotherapeutische Hilfen
    - Fortführung einer Psychotherapie nach Beendigung der Finanzierung durch die Krankenkassen
    - Vor- oder Überbrückungsfinanzierung 
    - Übernahme von Kosten für Psychotherapien, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden.
    - Übernahme der Kosten für anerkannte Fachtherapien (u.a. Bewegungs-, Musik-, Ergo-, Kunst- und Tiertherapien)
  • Übernahme der Kosten zur individuellen Aufarbeitung des Erlebten. Dazu gehören angemessene Kosten, die im Zusammenhang mit Fahrten zu therapeutischen Sitzungen anfallen, oder Kosten, die im Zusammenhang mit der Nutzung von Angeboten von Selbsthilfeorganisationen anfallen.
  • Hilfe bei der Beschaffung von Heil- und Hilfsmitteln, z.B. Physiotherapie, Ergotherapie, Massagen, Logopädie (medizinische Dienstleistungen) und Rollstühle, Prothesen, Hörgeräte (sachliche medizinische Leistungen).
  • Unterstützung von Weiterbildungs- und Qualifikationsmaßnahmen, z.B. Übernahme der Kosten für das Nachholen von Schulabschlüssen, Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums sowie Umschulungen.
  • Sofern ein besonderer Härtefall vorliegt, kann ausnahmsweise auch einen nicht zu den regulären Leistungen gehördende Unterstützung gewährt werden. Dazu gehört die Hilfe zur Verbesserung der Mobilität oder der Wohnsituation.

Menschen mit Behinderung können darüber hinaus Mehraufwendungen bis zu einer Höhe 5.000 Euro beantragen, die notwendig und angemessen sind, damit sie die Hilfeleistungen auch tatsächlich in Anspruch nehmen können (z.B. Assistenz, erhöhte Mobilitätskosten).